Steffen, DO3OI | 2024

Ich eile durch den Bahnhof, muss von Gleis 2 zu Gleis 11, habe keine Zeit und trotzdem will ich noch schnell einen mittelmässigen Filterkaffee ergattern als mich jemand anspricht und mit mir über Religionen reden wollte…

Warum ich das ganze hier so einleite? Weil mir digitale Betriebsarten im Amateurfunk mindestens genauso suspekt sind. Hat beides sicherlich seine Daseinsberechtigung und ich möchte es nicht ins lächerliche ziehen. Aber beides ist eben nicht meins.

Bis ich in der aktuellen Ausgabe der CQDL einen Bericht von HB9ZHK, Christoph Nadig gelesen habe.

Bei dem Namen klingelte was bei mir. Denn er war es, der mir damals mehrere Bausätze für gescheite Antennenlösung für meine portablen (SWL) Tätigkeiten mit auf den Weg gab. Grossartig und dennoch so klein, dass sie selbst in der Brusttasche unterkam. Und diesmal stellt er eine Möglichkeit vor um digitale Betriebsarten portabel und ohne Computer oder speziellen Transceiver zu nutzen. Mit dem Handy oder dem Tablet.

In mir verweigert sich wirklich alles gegen digitale Betriebsarten. Ich bin frisch lizensierter Funkamateur und möchte mit der Welt sprechen. Ich möchte CW lernen und alleine irgendwo in „meinem Shack“, also irgendwo im Park, sitzen und mich freuen aus vielen Kilometern Entfernung einen Rapport durch das rauschen zu vernehmen.

Und so sitze ich nun, Sonntag morgen um kurz nach 8 Uhr, im Park. Doch was mache ich hier eigentlich? Ich habe ein iPhone, meinen Transceiver, eine Vertikale Drahtantenne und eine kleine Kanne Tee dabei. Die „iFTx“ App läuft auf dem Handy und zeigt mir inklusive Wasserfall an, was gerade auf FT8 so für mich zu lesen ist. Gleiches kann die App auch mit FT4, aber ich beschränke mich heute morgen auf die 8 hinter dem FT. Ich klicke auf die CQ- Meldung eines Bulgarischen OM, halte das Mikrofon an das Handy und drücke die PTT-Taste.


Das Handy gibt die Töne aus, der Transceiver verteilt sie in die ganze Welt. Der Bulgarische Funkamateur bestätigt, das ganze ist im LOG. Kurze Zeit später das gleiche mit einer Japanischen Station. Verrückt.

Danke Christoph, meine Schublade mit Denkmustern ist gerade zerstört worden, binnen weniger Minuten. Ich merke gar nicht so richtig wie die Zeit verfliegt während ich mich über Bestätigungen freue. Italien, Bulgarien, Ukraine, Japan und sogar Punkte im WWA Contest.


Ich geben zu, die Sache mit dem PTT drücken und der Umwelt die ganze Zeit die nicht sonderlich melodiösen Töne anzutun ist vielleicht nichts auf Dauer. 

Aber dafür gibt es ja diverse Lösungen von bspw SignaLink, DigiRig oder auch den DigiLink Nano, der ebenfalls von Christoph gebaut wurde. Aktuell leider nicht zu bekommen. Ich bin also gerne offen für Angebote! Ich würde unheimlich gerne den DigiLink Nano ausprobieren und noch weiter im portablen Betrieb eintauchen in die digitalen Betriebsarten. 

Aber auf jeden Fall wollte ich diejenigen, die es noch nicht probiert haben dazu ermutigen es zu tun. Es macht Spass, es ist jedenfalls für mich, wie ein neuer Spielplatz der erkundet werden möchte. Und da ich ausschließlich Portabel unterwegs bin, eine einfache Möglichkeit auch daran teilzunehmen.

Ich hoffe wir lesen uns demnächst
73, Steffen // DO3OI